Auch in diesem Jahr starteten Linde und Karsten Sürich wieder zu einer großen Fahrradtour ans Mittelmeer. Von Bayreuth aus ging es zunächst nach Venedig und dann weiter nach Velden am wunderschönen Wörthersee.

Karsten und Linde Sürich am Ziel in Velden am Wörthersee

Kaum Vorbereitungstouren, dafür Überraschungen auf der ersten Etappe

Nachdem der gesamte Monat Mai und auch der bisherige Juni wettertechnisch alles andere als fahrradfreundlich war und wir bis dato keine wirklich großen Vorbereitungstouren unternehmen konnten (wir sind bis Mai inklusive Rennradausfahrten gerade einmal ca. 200 km gefahren), blickten wir optimistisch in die Zukunft und starteten unsere sehr lang vorgeplante Tour am Sonntag, dem 19.06.2016 am frühen Morgen. Die Packtaschen waren wie immer vollgepackt, was am Anfang der Tour für einen gewissen Aha-Effekt sorgte. Ab der Autobahnbrücke in Wolfsbach hatten wir uns an das deutliche Mehrgewicht mehr oder weniger gewöhnt.

Zu unserer Überraschung erwartete uns nach wenigen Kilometern Hubert Erl an der Strecke, der uns auf einem Teilstück unserer ersten Etappe bis in den Veldensteiner Forst mit seinem CrossBike begleitete. Das war jedoch nicht die einzige Überraschung an diesem ersten Tag: Als wir durch Creußen (dem Wohnort von Hubert) fuhren, stand dort auch dessen Ehefrau Ellen, die in Team-Icehouse-Outfit am Wegesrand stand und mit ihrem selbstgebastelten Fan-Banner für tatkräftige Unterstützung sorgte. An dieser Stelle noch mal ein großes DANKESCHÖN an Ellen und Hubert Erl! Ihr habt uns perfekt auf unsere weitere Tour eingestimmt.

Hier der gesamte Tourenverlauf und die technischen Daten der insgesamt elf Etappen:

  1. Tag: von Bayreuth nach BERCHING (Oberpfalz) – 134 km – 1.196 Hm
  2. Tag: von Berching (Oberpfalz) nach ECHING (Oberbayern) – 135 km – 938 Hm
  3. Tag: von Eching (Oberbayern) nach ACHENKIRCH (Tirol) – 115 km – 1.131 Hm
  4. Tag: von Achenkirch (Tirol) nach STEINACH AM BRENNER (Tirol) – 90 km – 1.162 Hm
  5. Tag: von Steinach am Brenner (Tirol) nach BRUNECK IM PUSTERTAL (Trentino-Südtirol) – 96 km – 1.358 Hm
  6. Tag: von Bruneck im Pustertal (Trentino-Südtirol) nach LONGARONE (Venetien) – 115 km – 1.539 Hm
  7. Tag: von Longarone (Venetien) nach VOLPAGO DEL MONTELLO (Venetien) – 94 km – 757 Hm
  8. Tag: von Volpago del Montello (Venetien) über Venedig nach JESOLO (Venetien) – 138 km – 144 Hm
  9. Tag: von Jesolo (Venetien) nach PALMANOVA (Friaul-Julisch Venetien) – 96 km – 124 Hm
  10. Tag: von Palmanova (Friaul-Julisch Venetien) nach PONTEBBA (Friaul-Julisch Venetien) – 117 km – 1.227 Hm
  11. Tag: von Pontebba (Friaul-Julisch Venetien) nach VELDEN AM WÖRTHERSEE (Kärnten) – 76 km – 750 Hm

Insgesamt sind wir also rund 1.200 km gefahren mit gut 10.000 Höhenmetern. Falls jemand die Tour nachfahren möchte, hier die Radwege, denen wir größtenteils gefolgt sind:

  • Pegnitz-Radweg
  • Laaber-Pegnitz-Radweg
  • Fünf-Flüsse-Radweg
  • Nürnberg-Ingolstadt-Radweg
  • Ingolstadt-München-Radweg (teilweise Isar-Radweg)
  • München-Jenbach-Radweg (teilweise Isar-Radweg)
  • Inn-Radweg
  • Brenner-Radweg (Brenner-Bundesstraße)
  • Eisacktal-Radweg
  • Pustertal-Radweg
  • Dolomiten-Radweg
  • München-Venezia-Radweg
  • Via-Claudia-Augusta-Radweg (Teilstück in der Nähe von Venedig)
  • Venedig-Triest-Radweg
  • Alpe-Adria-Radweg
  • Drau-Radweg

Ganz unten findet ihr den Link zu GPSies.com, wo wir die Touren hochgeladen habe.

Das Wetter und die Technik spielten mit

Nachdem unsere erste geplante Alpen-Cross 2013 buchstäblich wegen Dauerregens bzw. wegen der nach starkem Hochwasser überfluteten Radwege ins Wasser fiel und wir am zweiten Tag die Tour abbrechen mussten, hatte der Wettergott dieses Jahr ein Einsehen und bescherte uns täglich wärmere Temperaturen und nur einen einzigen kurzen Regenschauer am zehnten Tag kurz vor Cervignano del Friuli (bei Udine), als wir einem Gewitter hinterher fuhren. Die Regenklamotten blieben dieses Jahr in den Packtaschen und wurden völlig umsonst die Berge hochgeschleppt, was wir in diesem Fall sehr gerne getan haben. Die gen Süden steigenden Temperaturen sorgten dagegen für einen steigenden „Kalte-Cola-Verbrauch“, so dass wir einige Supermärkte und Geschäfte an der Strecke zu schätzen lernten. In Italien war es besonders schön, dass die Supermärkte auch sonntags geöffnet haben.

Unsere Stevens X8 CrossBikes haben uns auch dieses Jahr nicht enttäuscht. Sie haben die 1.200 Kilometer ohne größere Blessuren überstanden- Lediglich bei Linde waren die Bremsbeläge auf der letzten Etappe am Ende und es konnte hinten nur noch mit Metall auf Metall gebremst werden. Nächstes Mal nehmen wir Ersatzbremsbeläge mit…

Zwischenziel „Venedig“ für Fahrräder gesperrt

Eine herbe Enttäuschung mussten wir einstecken, als wir nach Venedig rüber fahren wollten. Zwar gibt es an der stark befahrenen SS11/Via della Libertà (Kraftfahrtstraße mit baulich getrennten Fahrspuren) einen Radweg bzw. einen Seitenstreifen für Radfahrer, jedoch war diese kurz vor der Lagunenstadt komplett gesperrt und verbarrikadiert, so dass es nicht möglich war, mit den Fahrrädern direkt nach Venedig hineinzufahren. So hatten wir die ohnehin schon anstrengende Irrfahrt durch das fahrradfeindliche Mestre umsonst in Kauf genommen. Das Hupkonzert vieler Autofahrer, als wir auf der falschen Straßenseite wieder einen Kilometer zurück schieben mussten, fanden wir dann nicht wirklich spannend, uns blieb aber nichts anderes übrig.

Getröstet wurden wir am nächsten Tag bei einem Abstecher in den Urlaubsort Caorle, als wir das Mittelmeer mal hautnah erleben durften, bevor wir wieder ins Landesinnere gen Norden fuhren.

Eindrücke / Impressionen

Die Tour war sicherlich von den nackten Daten her sehr anstrengend. Tatsächlich aber fühlte sich das gar nicht sooo schwer an, insbesondere die „großen Rampen“ Sylvensteinsee, Brennerpass und die Dolomiten kurz vor Cortina d’Ampezzo verlaufen relativ flach und konstant steigend, so dass man dort gut hochkurbeln kann. Allerdings bremsten uns dann wieder Temperaturen (in der Sonne) von um die 40°C ein wenig aus. Viel schlimmer waren dagegen die heftigen kurzen Anstiege im Pustertal, wo wir relativ langsam vorankamen.

Die Strecke der ersten beiden Tage kannten wir größtenteils bereits von 2013, als wir die Tour in Kinding abbrechen mussten. Richtig spannend und ansprechend wurde die Tour erst am dritten Tag, als wir die erste „Wand“ zum Sylvensteinsee hochfuhren und kurz danach Österreich erreichten. Auch der Achensee (größter See Tirols) ist sehr sehenswert.

Schön ist auch der ab Toblach (Südtirol) verlaufene Dolomiten-Radweg, dessen Berglandschaften (zum Beispiel die „Drei Zinnen“) uns beeindruckten. Er verläuft – ähnlich dem Alpe-Adria-Radweg – auf einer alten Bahntrasse, größtenteils gut ausgebaut und gut befahrbar.

In Venetien verlief die Tour überwiegend auf Nebenstraßen, aber auch auf einer stark befahrenen Staatsstraße (SS14) und auch auf einem sehr schmalen Trampelpfad (5 km) durchs Schilf (Venedig-Triest-Radweg). Letzterer sorgte schon für einen Hauch Abenteuer, zumal auch kleinere Schlangen und eine Ratte unseren Weg kreuzten.

Besonders gut gefallen hat uns die „sternförmige“ Stadt Palmanova und auch die gemütliche Stadt Pontebba; in beiden Orten übernachteten wir.

Vom Radweg her hat uns der uns bekannte Alpe-Adria-Radweg am besten gefallen, den wir ja bereits letztes Jahr komplett von Nord nach Süd (Salzburg -> Grado) gefahren sind. Dieses Jahr nahmen wir noch mehr Eindrücke mit, da wir ja von Cervignano del Friuli aus bis Villach (Kärnten) von Süd nach Nord gefahren sind (von annähernd Meereshöhe aus bis 820 m Höhe in Camporosso). Die vielen ausschließlich für Radfahrer präparierten Brücken und Tunnel sind schon ein besonderes Highlight, insbesondere das Teilstück von Resiutta bis Pontebba.

Die Schlussetappe nach Velden am Wörthersee ließ sich wunderbar fahren trotz der nochmals anfallenden Höhenmeter. Der Zielleinlauf am Wörthersee bei herrlichem Sonnenschein war hervorragend und zugleich schon fast enttäuschend, denn schließlich war die schöne Tour nach elf Tagen plötzlich schon zu Ende, obwohl wir es bestimmt auch wieder bis nach Hause geschafft hätten…

Fazit

Eine Alpen-Cross ist immer auch ein Hauch Abenteuer. Mit der richtigen Vorbereitung und der richtigen Technik (z.B. GPS-Navigationsgerät) bringt sie aber auch sehr viel Spaß und Unmengen an Eindrücken. Durch den hohen Anteil an offiziellen Radwegen ist die Tour generell gut zu schaffen, wenngleich man sich schon darüber im Klaren sein sollte, was es bedeutet, jeden Tag – mit Gepäck - im Schnitt über 100 km zu fahren. Man sollte das also nicht zu schnell angehen, sonst ist die Luft ganz schnell raus.

Wir freuen uns schon auf die nächste Tour 2017!