Der RSV Aue organisierte vom 22. bis 24. Juli zum inzwischen elften Mal die Erzgebirgstour, ein kleines, aber sehr feines Etappenrennen für Jedermänner und C-Lizenz-Fahrer. Novum in diesem Jahr war die Austragung der Tour an drei Tagen eines Wochenendes (zuvor über zwei Wochenenden verteilt), was auch zu einem neuen Teilnehmerrekord von insgesamt 43 Fahrern führte, die Anreisen aus fast ganz Deutschland auf sich nahmen. Die hohe Qualität des Fahrerfeldes versprach schon beim Blick auf die Starterliste spannende drei Tage Radrennen. Andreas Hacke vom Team Icehouse e.V. konnte den Gesamtsieg feiern.

Andreas Hacke bei der 11. Erzgebirgstour 2016 in Schneeberg / Markersbach / Plessberg (Plesivec).

Andreas Hacke bei der 11. Erzgebirgstour 2016 in Schneeberg / Markersbach / Plessberg (Plesivec).

Die Tour begann mit einem 4,4 Kilometer langen Prolog-Zeitfahren. Hier waren natürlich aufgrund der Kürze des Rennens keine nennenswerten Zeitabstände zu erwarten, jedoch stellte sich angesichts der hohen Leistungsdichte letztlich jede Sekunde als sehr wertvoll heraus.

Ausrufezeichen beim Prolog-Zeitfahren

In seiner Paradedisziplin konnte Andreas Hacke vom Bayreuther Team Icehouse auch gleich ein erstes Ausrufezeichen setzen und sicherte sich in einer Zeit von 5:44 Minuten mit lediglich zwei Sekunden Rückstand auf den Etappensieger Andre Eichhorn (RSC Bad Liebenwerda e.V.) den zweiten Etappenrang.

33-Kilometer Kriterium

Direkt anschließend folgte am Freitagabend ein Kriterium mit rd. 33 Kilometer, bei dem der Bayreuther, stellvertretend für den Gesamtführenden, das grüne Sprint-Trikot tragen durfte. Nicht unbedingt zu erwarten, aber schon mal ein erster Fingerzeig. Nachdem es im zweiten Rennen eher den Sprintern überlassen war, um die Punkte zu kämpfen, hielten sich die Klassementfahrer aus dem Gröbsten raus und rollten mit dem geschlossenen Feld über die Ziellinie. Das grüne Trikot für den punktbesten Sprinter wechselte, wie zu erwarten, vor der dritten Etappe auf die Schultern von Christian Rose (Merkur Cycling Team) der es im Weiteren auch nicht mehr hergeben sollte.

5,1 km Bergzeitfahren

Am zweiten Renntag stand morgens ein 5,1 Kilometer langes Bergzeitfahren (320 Höhenmeter) in Markersbach an, das auch als Einzelrennen gefahren werden konnte. Das Einzelrennen wurde mit einem fulminanten neuen Streckenrekord (12:58 Minuten) von Tobias Heß (Petz Racing Team) gewonnen. In der Tour-Wertung ging der Etappensieg erneut an den Gesamtführenden Andre Eichhorn, knapp vor dem späteren Tour-Zweiten Philipp Rothe (RFV 1990 „Die Löwen“ Weimar e.V.). Andreas Hacke konnte auch hier wieder seine Stärken ausspielen und landete mit rd. zehn Sekunden Rückstand auf dem dritten Etappenplatz – in Schlagdistanz zum „Gelben“.

Vierte Etappe als Straßenrennen

Als vierte Etappe wartete am Samstagnachmittag ein Straßenrennen über 57 km, das es mit rd. 1.000 Höhenmetern auf den ersten 30 Kilometern in sich hatte. Vom Start weg ging es an zahlreichen giftigen Hügeln hart zur Sache, wobei an den Anstiegen vor allem der spätere Sieger der Bergwertung Vincenz Porstmann (Petz Racing Team) aufs Tempo drückte. Die Führungsgruppe wurde dadurch in der Anfahrt zum „Dach der Tour“, dem 1.215 Meter hohen Fichtelberg, zusehends dezimiert. Dem hohen Tempo bis zur Bergwertung mussten zahlreiche Fahrer Tribut zollen und auch der Gesamtführende Eichhorn konnte um einige Meter den Anschluss nicht halten, was durch die Spitze prompt mit einer harten Attacke zu Beginn der langen Abfahrt zurück nach Markersbach quittiert wurde. Der Team Icehouse Fahrer war zu diesem Zeitpunkt gut positioniert und schaffte den Sprung in die letztlich sechs Fahrer starke Spitzengruppe. Die Gruppe harmonierte bis zum kurzen Schlussanstieg sehr gut und konnte die folgenden Fahrer um rd. zwei Minuten distanzieren. Am finalen Anstieg zum Ziel auf der Staumauerkrone des Markersbacher Unterbeckens flog die Gruppe schnell auseinander. Hacke konnte dabei lediglich dem harten Antritt von Etappensieger Werner Grundkötter (RC Sprintax Bielefeld) nicht folgen, fuhr jedoch mit dem zweiten Etappenplatz ins gelbe Trikot des Gesamtführenden.

Finaletappe mit 105 Kilometer und knapp 1.800 Höhenmeter

Auf die Finaletappe am Sonntag nahm der Mann vom Team Icehouse 22 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten mit, die es über 105 Kilometer und knapp 1.800 Höhenmeter zu verteidigen galt. Mit den ersten sechs Fahrern des Gesamtklassements innerhalb von einer Minute, eine spannende Aufgabe. Über die ersten vier von insgesamt sechs Bergwertungen blieb das Hauptfeld weitgehend geschlossen, wobei einzelne Ausreißversuche meist schnell vereitelt wurden. Bald zeichnete sich ab, dass die Entscheidung um den Gesamtsieg an den letzten beiden Bergen des Tages fallen würde. Auf den finalen 15 Kilometern warteten noch 600 Höhenmeter, mit einer kurzen Zwischenabfahrt, auf die Fahrer. An der vorletzten Bergwertung konnte sich Vincenz Porstmann vom Feld absetzen und, mit etwas Glück, zum Etappensieg auf der Königsetappe und zum Gewinn der Bergwertung fahren. Im Kampf um die Gesamtwertung stellte er jedoch mit über zwei Minuten Rückstand keine Gefahr mehr dar.

Showdown der Favoriten

So kam es am rd. zwei Kilometer langen Schlussanstieg zum Ziel am tschechischen Plessberg zum Showdown der Favoriten. In dem sehr hart ausgefahrenen, steilen Finale musste Hacke zwar Federn lassen, konnte aber mit einem fünften Tagesrang den Gesamtsieg bei Gewitter und starkem Regen um neun Sekunden ins Ziel retten. Zweiter der Rundfahrt wurde Philipp Rothe (RFV 1990 „Die Löwen“ Weimar e.V.) vor Torsten Kunath (Jenatec-Biehler-Masters-Team).