Michael Tritschel hat beim Haspa Marathon 2015 seinen ersten Marathon gefinisht. Ein toller Bericht von Team Icehouse Sportler der im November 2014 den Mut fasst sich gemeinsam mit Bruder Stephan zum Haspa Marathon und zum 70.3 Wiesbaden anzumelden.

Sportinteressiert war ich schon immer. So hatte ich als Schüler bereits gute Leistungen im Schwimmen und später im Wahlfach Moderner Fünfkampf erzielen können. Ich hatte außerdem einige Jahre Volleyball und später Basketball bis in die A-Jugend des USC Bayreuth gespielt. Skifahren im Winter und Bergwandern im Sommer folgten dann während der ersten 10 Berufsjahre als einzige sportliche Bewegung.

Umso intensiver startete ich 1995 Tae Kwon Do und brachte es bis 1998 zum braun-schwarzen Gürtel - bei kontinuierlich 6 Tage Training pro Woche. Wieder folgte beruflich bedingt eine Veränderung und Zeit für Sport blieb, so glaubte ich damals, kaum. Ab und zu Laufen, aber doch ohne Ziel und eher sporadisch. Interessiert beobachtete ich die Erfolge meines Bruders Stephan, der sich zunehmend mit Triathlon beschäftigte. Nachdem er sogar den Ironman in Frankfurt in hervorragender Zeit absolvierte und er mich darauf ermutigte Triathlon auch schaffen zu können startete ich im Juni 2014 zunächst mit Laufen. Ein Fersensporn jedoch zwang mich mit dem Laufen bereits nach nur 4 Wochen wieder zu stoppen. Das Fahrrad wurde zur Alternative. Ab Ende August lief ich bis ca November regelmäßig 2-3 mal pro Woche. Im November fasste ich den Mut und meldete mich gemeinsam mit Bruder Stephan zum 30. Haspa Marathon in Hamburg an sowie zum 70.3 in Wiesbaden im August 2015. Endlich ein Ziel!

Im Dezember gab es dann winterbedingt eine „Aussensportunterbrechung“. Mitte Januar fasste ich den Entschluss dass es nur schlechte Kleidung gibt. Außerdem tickte die Uhr. Nur noch 12 Wochen bis zum ersten großen Lauf. Es war hart der Kälte zu trotzen. Ich probierte diverse Kleidung aus und fand das richtige Outfit. Nun ging es drei mal die Woche auf die 10 km und wenn das Wetter zu schlecht war dann mindestens eine Stunde auf den Ergonometer. sowie drei Trainingseinheiten zusätzlich an Übungen wie Burpees, Liegestütze Situps und Kniebeugen um die Kraft zu steigern.

Anfang März wollte ich dann einmal pro Woche einen längeren Lauf schaffen. 10 km konnte ich ja mittlerweile problemlos laufen. Also zuerst 15 km dann einen Halbmarathon - wow ich schaffe einen Halbmarathon -….aber dann noch einmal die gleiche Strecke on top? Oh je....ich bin auf einmal gar nicht so sicher ob ich das schaffe. Ende März schaffte ich dann auch schon die 30 km und den Halbmarathon sogar in 1:50h. Stephan sagte mir, dass es kein Problem sei wenn man im Training die 42km nicht läuft. Ok ich vertraute darauf....nur noch drei Wochen….bis zum großen Lauf.

Nun reduzierte ich die anderen Übungen und konzentrierte mich aufs Laufen 3 x10 Km und einmal 20 km. In der letzten Woche davor nahm ich mir auf Empfehlung ein Tapering vor und reduzierte auf 3 x 5 km in relaxtem Tempo Am Montag vor dem Lauf der Schock - eine Erkältung. Schnupfen, etwas Gliederschmerzen und Halsweh! Das darf nicht wahr sein.……hoffentlich bin ich am Sonntag fit… also radikales Schonen ist angesagt. Am Mittwoch konnte ich nicht anders…ich wagte dann doch noch einmal lockere 6 km der Puls bei 130 - das gab mir Mut, dass es schon klappen wird. Bis Zum Lauf am Sonntag nun kein Training mehr.

Der Abend zuvor....1000 Gedanken um den großen Lauf, habe ich ausreichend trainiert? Halte ich durch? Habe ich alles eingepackt? Meditation …ich schaffe da……..ich visualisierte meinen Start, den Lauf, den Zieleinlauf…ja ICH SCHAFFE DEN MARATHON!!!!! Geschlafen habe ich aber kaum und dann klingelte bereits um 4:30 Uhr morgens der Wecker.... Brötchen mit Nutella und Banane zum Frühstück und ein doppelter Espresso - danach machten wir uns auf den Weg nach Hamburg.

Wir kamen 90 Minuten vor dem Start an und es zeigte sich, dass es gut war die Startunterlagen bereits am Freitag zu holen. Im Startblock um 8:15 Uhr und die Zeit schien stillzustehen. Es ist kalt. 9 Grad und es regnet leicht. Die anderen Läufer liefen im Startblock und machten sich warm, Stephan und ich dehnten Beine, Arme und Rumpf. Nach weiteren endlosen Minuten ist er endlich da: Der Start - endlich laufen. Es tut gut... Nur langsam und nicht zuviel Kraft am Anfang aufbringen. Unser Ziel war es, den Marathon zu schaffen und wenn möglich unter 4 Stunden. Wir starteten mit einem Tempo von 5:05 - Die Euphorie it groß - eigentlich sollten wir 5:30 halten aber naja….der Plus war ja ok bei 143. Leichter Regen bei 5 km. Rechts und links des eine Linie von Zuschauern. Sie feuerten die Läufer enorm an - toll. Ich amüsiere mich wie die mitfiebern. Dann Trommler, Spielmannzüge und Menschen, die Ihre Lautsprecher auf den Balkon positionierten und mit guten Rhythmen den Lauf begleiteten. Ich musste immer wieder schmunzeln über die Hingabe….Bei km 20 zeigt die Marathonkalkulation 3:30h Zielzeit - es läuft schon fast zu gut. Trinken bei jeder Station und wenn es nur ein Schlückchen ist ein Stückchen Banane sowie ab und zu ein Gel gibt uns zusätzliche Energie. Bei Km 30 starker Regen. Und immer noch liegt die Zeit bei 3:40. Wir sind etwas langsamer geworden. Ich spüre den zunehmenden Schmerz in meinen Beinen. Erste Zweifel kommen auf....die Strecke scheint sich zu dehnen und die Zeit bis zum nächsten Kilometerpunkt auch. Wann kommt das nächste Tor? Ich kann nicht mehr - ein Koenigreich für einen Stuhl - Gedanken quälen mich. Bei Km 35 kommt er - der Hammer ich möchte stehen bleiben....NEIN - ich schaffe das. Ich denke an meine liebe Frau die mich in meinen Trainings so gut unterstützte und an meine lieben Kinder alle 8 bekommen intensive Gedanken, die Strecke fliesst wieder schneller und ich will es schaffen. Nun eine ganze Band mit drei E-Gitarren auf zwei Balkonen - die heizen ein und die Musik kommt mir zur Hilfe - noch 5 km - das ist meine kleine Hausrunde - echt easy - aber nicht jetzt. Es ist hart meine Füße schmerzen. Ein Fuß vor den anderen- ich zähle jeden Schritt bis zehn. Stephan spricht mir zu weiter zu: gleich sind wir da... Nur noch zwei km die Menschenreihe jubelt bereits und feuert uns an - Ich höre meinen Namen und Worte wie Ihr habt es gleich geschafft - Wahnsinn und ja... Nur noch ein Kilometer - die Strecke von der Bushaltestelle bis nach Hause ..... Ich sehe das Ziel....die Menschen werden lauter sie jubeln - ein Mega Publikum - Gänsehaut - das Ziel - ich habe es geschafft - ein Blick auf die Uhr verrät 3:58h - ich kann es nicht glauben…..ich habe den Marathon geschafft - was für ein Erlebnis - echt unglaublich. Unter allen Läufern habe ich es auf Anhieb in das erste drittel geschafft, ebenso in meiner Altersklasse. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

Der Marathon war meine bisher härteste sportliche Anstrengung in meinem Leben- und das mit 51, aber ich weiß schon jetzt, dass es nicht die Letzte war. Der nächste Marathon ist bereits ausgesucht und auch noch in diesem Jahr - und ich freue mich darauf.