Am letzten Wochenende des Sommermonats Juli fand die 13. Auflage des Chiemgauer 100 in Ruhpolding statt. Rüdiger Burger berichtet.

Rüdiger Burger, Christine Kohnert und Frank Burger beim 13. Chiemgauer 100 in Ruhpolding

Wie aus der Ausschreibung schon zu entnehmen ist, musste man sich für die Teilnahme an diesem Bergultralauf bewerben. Unter den Glücklichen, die eine Einladung vom Veranstalter Dr. Giselher Schneider bekamen, waren vom Team Icehouse Christine Kohnert, Stefan Zeilmann, Frank und Rüdiger Burger am Start.

Im Angebot waren zwei Streckenlängen: die Hauptstrecke über 100 Kilometer mit insgesamt 4.500 Höhenmetern und einem Zeitlimit von 18 Stunden sowie die 100 Meilen (161 Kilometer) mit insgesamt 7.500 Höhenmetern und einem Zeitlimit von 33 Stunden. Alle 4 „Team-Icehäusler“ hatten sich für die 100 Kilometerstrecke entschieden. Wie aus der Streckenbeschreibung zu entnehmen ist, „besteht diese aus zwei Schleifen durch den südlichen Chiemgau, wobei zunächst der Rauschberg im Uhrzeigersinn umrundet (26 km) und danach eine große 74 km Runde um und auf den Hochfelln gelaufen wird. Große Teile verlaufen auf schmalen alpinen Wanderwegen, so dass Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung sind.“

Fast pünktlich zum Start der 100 Meilen um 14 Uhr am Freitag hörte es mit dem Regnen auf. Jeder, der die 100 Meilen laufen wollte, konnte im Vorfeld die Startzeit wählen, je nach Leistungsvermögen. Für die 100 Kilometer hieß es noch warten bis Samstag früh um 5 Uhr, bevor dann insgesamt 108 Läufer/-innen auf die Strecke geschickt wurden. Start und Zielbereich war das Waldstadion in Ruhpolding. Auf den ersten Kilometern wurde die noch mit Dunkelheit bedeckte Strecke nur durch vereinzelte Lichtstrahlen von den Stirnlampen der Läufer/-innen erhellt. Die ersten 10 Kilometer wiesen zwar ein schon recht welliges Profil auf, konnten aber recht zügig zurückgelegt werden. Kurz nach Zwing begann das erste Highlight der Strecke, der sogenannte „Alpensteig“, ein schmaler Wanderweg, teils mit Stahlseilen gesichert wegen der Absturzgefahr. Ein Überholen in diesem Teilstück war fast nicht möglich. Nach Verlassen des Alpensteigs, führte die Strecke stetig bergauf, nach 17 Kilometern erreichten wir die Kaitlalm. Nachdem wir die letzten der ca. 800 Höhenmeter auf der Schleife um den Rauschberg erklommen hatten, ging es stetig bergab Richtung Ruhpolding. Kurz nach 8 Uhr erreichten wir wieder das Waldstadion. Im Verpflegungsbereich des Stadions, sahen wir noch kurz Christine und Stefan, die unwesentlich schneller diese 26 Kilometer-Schleife zurückgelegt hatten.

Nachdem wir die Trinkblase von unseren Laufrucksack nachgefüllt hatten, beschlossen wir, dass jeder bis zur Marathonmarke bei Röthelmoos sein eigenes Tempo laufen sollte, aufgrund der Streckenkenntnisse aus dem Jahr 2015. Ab Kilometer 28 ging es hinauf über die Raffner Alm zum Unternbergsattel, dabei mussten etwa 500 Höhenmeter im Anstieg bewältigt werden. Oben angekommen, wurde man mit einem traumhaften Blick ins Tal belohnt. Nachdem die Sinne kurz zufrieden gestellt wurden, ging es leicht bergab zur Brandner Alm. Ab hier kommt für viele der Berg der Wahrheit, die Hörndlwand, leider wie schon 2015 hatte ich dieses Jahr erheblich mehr Probleme im Anstieg als ich dachte. Nach mehreren kurzen Pausen, erreichte ich etwa um 11:30 Uhr die Verpflegungsstation auf der Hörndlwand bei Kilometer 37. Trinken, durchschnaufen und weiter geht’s zum Abstieg, „Puh durchatmen“, ohne Sturz unten im Auslauf der Hörndlwand angekommen, lief ich auf Stefan auf, der bereits schon von seiner Freundin empfangen wurde. Kurze Abkühlung an Brunnen, dann ging es weiter Richtung Marathonmarke bei Röthelmoos, wo mich Frank bereits erwartete, wenig später erreichte auch Stefan diesen Verpflegungspunkt.

Unser Zeitpolster zum Cut-Off betrug schon mehr als 1 Stunde, ein größere Pause gönnten wir uns trotzdem nicht, da noch einiges an Höhenmetern zurückzulegen war. Es ging erneut steil nach oben zur Jochberg Alm, dann weiter zum Hochbergsattel, ab der Bischofsfelln Alm weiter über Eschelmoos hinter nach Kohlstatt. Fast als hätte man‘s abgesprochen, waren für einen kurzen Moment alle 4 „Team-Icehäusler“ am Verpflegungspunkt Kohlstatt kurz versammelt. Christine machte sich aber sogleich wieder auf den Weg, um genügend Vorsprung gegen uns herauszulaufen. Wie wir später im Ziel erfuhren, hatte Sie Angst und die Befürchtung, dass wir Sie auf den Hochfelln hochschleppen würden. Das Fazit von Christine schon mal vorweg: „Es hat für heute einfach gereicht, mehr ging nicht“.

Wir konnten noch kurz Stefan im Anstieg der Skipiste hinauf zur Gleichenberg Alm erblicken. Frank hatte heute wirklich gute Beine, ich konnte sein Tempo nicht mitgehen. Während dieses Aufstiegs zerplatzte mein Traum, heute den Hochfelln zu bezwingen, denn für den fast 2 Kilometer langen Anstieg, brauchte ich fast 40 Minuten. Ich weiß: „ es geht auch schneller“. Die nächsten Kilometer waren einfach und ohne die sonst so heftigen Anstiege zu erlaufen. In Maria Eck bei Kilometer 67 warteten bereits Stefan und Frank wieder auf mich. Nachdem für uns Drei feststand, dass die Cut-Off Zeit von 18:15 Uhr in Egg bei Kilometer 74 in weite Ferne gerückt ist, war der Zeitdruck weg und somit auch der Ansporn, selbst die 80 Kilometer in einer ordentlichen Zeit zurückzulegen. Es galt nur noch zu finishen.

Nachdem wir den Verpflegungspunkt in Egg erreicht hatten, machten wir uns nach einer kurzen Pause und einem Feierabend-Bier auf in Richtung Ruhpolding. Die fast 6 Kilometer führten über einen recht steilen Trailbereich, hinunter über den Klettergarten, Brandstätter Hof am historischen Bauernhauskaffee „ Der Windbeutelgräfin“ weiter an der Weißen Traun, zurück ins Waldstadion in Ruhpolding. Hand in Hand und mit einem Lächeln im Gesicht, erreichten wir nach 15:17:15 Stunden das Ziel. Stefan hatte ebenfalls die Abkürzung genommen und erreichte vor uns nach 14:43:18 Stunden das Ziel. Unsere kleinste vom Team Icehouse war aber heute die Schnellste, entweder war es die Angst, den Hochfelln noch hochlaufen zu müssen oder was auch immer der Grund war, Christine Kohnert nutzte ebenfalls die Verkürzungsoption auf 80 Kilometer und belegte in der Zeit von 13:54:42 Stunden den 1. Platz in der Damenkonkurrenz.

Die einzelnen Platzierungen kann man dem unten aufgeführten Link entnehmen. Sieger bei den 100 Meilen wurde der Österreicher Thomas Wagner in 22:51:41 Stunden, er hält auch den Streckenrekord. Nach 28:12:41 Stunden finishte Anke Warlich als Einzige bei den Frauen auf den 100 Meilen. Die 100 Kilometer gewann Bernhard Armin in 12:02:10 Stunden und die Frauenkonkurrenz gewann Kathi Hellweger in 16:03:46 Stunden. Den 80-Kilometer-Lauf gewann Fabio Crescentini in 10:07:15 Stunden und - wie schon erwähnt - bei den Frauen gewann unser „Rennfloh“ Christine Kohnert in 13:54:42 Stunden.

Fazit: Die teilweise straff gesetzten Cut-Off-Zeiten an den einzelnen Verpflegungs- bzw. Kontrollpunkten dienen nach Aussage von Veranstalter Giselher Schneider nur der Sicherheit der Läufer/innen. Diese sollten die schwierigen Passagen der Strecke noch bei Tageslicht erlaufen können. Der 13. Chiemgauer 100 war selbst durch die Streckenkenntnisse nicht einfacher für uns Flachländler, ob es einen dritten Versuch auf die 100 Kilometer Strecke gibt, den Hochfelln zu bezwingen? Wer weiß... Man hätte ja noch die Option, auf die 100 Meilen auszuweichen, dafür hat man ja 33 Stunden Zeit, aber auch über 3.000 Höhenmeter mehr. Dieser Bergulta hat bereits seinen Platz in der Ultralaufszene gefunden, die Teilnehmerzahlen sprechen dafür. Sehr empfehlenswert, Daumen hoch!