Hans Eichmüller berichtet eindrucksvoll von seiner Teilnahme am diesjährigen Boston Marathon, der am 09.04.2018 zum 122. Mal stattfand.

Mit einer Bestätigung der Boston Athletic Association des Startplatzes beim 122. Boston Marathon ging für mich ein langgehegter Traum in Erfüllung. Nach einer gewissen Vorplanung flog ich zusammen mit meiner Frau am 13.04.2018 nach Boston. Wir hatten bereits im Vorfeld ein Hotel in der Nähe des Zieleinlaufes in der Boylston Street gewählt. Da der Marathon immer am 3. Montag im April stattfindet und dies gleichzeitig auch ein Feiertag (Patriots Day) ist, hatte ich genug Zeit zum Eingewöhnen. Am Samstagvormittag konnte ich mir dann auch ganz ruhig meine Startunterlagen abholen. Nachmittags war dann das Erkunden von Boston angesagt. Das Wetter war bis zu diesem Zeitpunkt noch ganz gut, wenn auch kalt. Am Sonntag wurde das Wetter wie angekündigt schlechter und einer kleinen Laufrunde am Sonntagmorgen im Boston Common waren es nur noch ca. 1°C, die Wettervorhersage für Montag war noch schlechter.

Da alle 32.000 Teilnehmer am Montag zum Start nach Hopkinton transportiert werden mussten, standen Busse ab 05.30 Uhr bereit. Da ich in der ersten Welle startete, bedeutete dies um 04.40 Uhr aufstehen, frühstücken und los zum Sicherheitscheck. Draußen schüttete es wie aus Kübeln, bei ca. 3°C, ich hatte ein Regencape an, meine Schuhe in Plastiktüten verpackt. So bestieg ich meinen Bus nach Hopkinton. Nach einstündiger Fahrt erreichten wir das Startareal in Hopkinton. Kaum aus dem Bus ausgestiegen waren wir komplett durchnässt, da alles im Freien war. Zum Regen kam auch noch ein eisiger Wind dazu, die Temperaturen sanken gen Null, zwischendurch schneite es. Endlich um 09:25 Uhr wurde unsere Welle zum line up gerufen. Es waren noch ca. 800 m zurückzulegen. Ich war mittlerweile komplett durchnässt und total durchgefroren.

Um 10.00 Uhr dann der langersehnte Startschuss. Langsam setzte sich die Masse in Bewegung. Es regnete ohne Unterlass und dazu noch der eisige Wind mit bis zu 26 Meilen pro Stunde. Die Straßen waren zum Teil überspült, aus den Schuhen lief das Wasser. So kämpfte ich mich durch, dachte aber ernsthaft bei Km 21,2 ans Aussteigen. Mir war so kalt wie in meinem ganzen Leben noch nicht! Mir klapperten beim Laufen die Zähne (das ist kein Witz), meine Arme zuckten vor Kälte unkontrolliert. Ich dachte nur noch an das Ziel, an meine Frau, die ich nicht enttäuschen wollte! An der ganzen Strecke standen abertausende Zuschauer, so was hatte ich noch nie erlebt! Die berüchtigten Heart Break Hills nahm ich gar nicht mehr war. So erreichte ich dann doch Boston, bog dann auf die berühmte Boylston Street ein. Dies entschädigte mich für alles! Diese Zuschauer, dieser Lärm: unglaublich! Völlig durchgefroren erreichte ich nach 03:14:26 Std. das Ziel. Nach Überlaufen der Ziellinie war ich so fertig, dass ich vor Auskühlung nicht mehr richtig laufen konnte. Aber ich musste noch ca. 400 m laufen, um meine Medaille und einen Wärmeumhang zu erhalten. Danach nahm mich meine Frau in Empfang. Im Hotel sah ich später noch einen Livebericht, wo sich ganz viele Teilnehmer wegen Unterkühlung behandeln lassen mussten.

Hier mein Ergebnis: Gesamtzeit 3:14:26 Std., Gesamtplatz 4142, AK-Platz 151 von 1753, Gesamtplatz Männer 3695. Die Ergebnisse lagen auch bei den Profis unter deren Erwartungen. Desiree Linden (USA) siegte in 02:39 Std. Bei den Männern siegte der Japaner Kawauchi in 02:15 Std.

Wie auch immer, am Tag danach war alles vergessen, mir ging‘s wieder gut und wir setzen unseren Urlaub in den USA fort.