Für drei Team Icehouse Aktive war der 30. Juni 2019 nicht nur der längste Tag des Jahres, es war auch der heißeste Tag des Jahres bei der Ironman European Championship in Frankfurt. Bereits bei der Wettkampfbesprechung am Freitag legten die Ironman-Veranstalter den Athleten diverse Verhaltensregeln betreffend des sich ankündigenden Hitzerennens nahe.

Katja Stöcker, Markus Berger und Sebastian Hamm beim Mainova IRONMAN European Championship 2019 in Frankfurt.

Die Empfehlungen waren unter anderem Salztabletten zum Ausgleich des Mineralienverlusts, eine Nackendusche aus der Trinkflasche an der letzten Verpflegungsstelle der Radstrecke, Fernbleiben von der Hitze in den Vortagen des Rennens und Eiswürfel in die Laufkäppis.

Katja Stöcker und ihre Vereinskollegen Sebastian Hamm und Markus Berger konnten in der ersten Disziplin ihren Neoprenanzug getrost zu Hause lassen, da die Wassertemperatur die 24,5-Grad Marke weit überschritten hatte. Die Startatmosphäre am Langener Waldsee, welcher auf einer durch einen kurzen Landgang unterbrochenen, 3,8 km langen Schwimmstrecke zu durchqueren war, suchte einmal wieder Seinesgleichen. Anschließend ging es auf die Radstrecke, welche traditionell von Langen aus über die Frankfurter Innenstadt auf einen zweimal zu befahrenden Rundkurs im Main-Kinzig-Kreis und die Wetterau führt. Die 1.450 Höhenmeter der Strecke verteilten sich baustellenbedingt auf eine Distanz von 185 km anstelle der sonst standardmäßigen 180 km. Gegen Mittag war die warme, trockene Luft deutlich zu spüren, allerdings sorgte der Fahrtwind (noch) für ausreichende Kühlung. Jedoch kamen bei vielen Athleten erste Sorgen hinsichtlich des sich anschließenden 4-Runden-Laufkurses am Mainufer auf. Die Veranstalter reagierten frühzeitig auf die Wettervorhersagen und verlegten einen Streckenabschnitt von 700 Metern zusätzlich in den Schatten. Die Verpflegungsstationen - 6 Stück pro Runde - waren bestens ausgestattet und versorgten die Athleten neben Getränken und Salz auch mit nassen Schwämmen sowie Eiswürfel für Käppi und Trisuit, und all das in rauhen Mengen. Zusätzliche Duschen und Freiwillige, die die Eisenmänner und -frauen mit Wasserkrügen und Gartenschläuchen übergossen, machten das Bewältigen der Marathondistanz bei 40 Grad erheblich leichter. Zusätzliche Unterstützung leisteten die Anfeuerungsrufe von Zehntausenden Zuschauern am Streckenrand.

Katja Stöcker – „Statement“

"Der Ironman Frankfurt war nach der letztjährigen, erfolgreichen Teilnahme an der Challenge Roth mein zweites Langdistanzrennen. Freunde hatten von der schnellen Radstrecke berichtet und der tollen Stimmung auf dem 4-Runden Laufkurs. Da ich den Ironman Frankfurt in den vergangenen Jahren jedes Mal aufs Neue fasziniert am Fernseher verfolgt hatte und dort zudem die Europameisterschaften ausgetragen werden, fiel meine Wahl auf diese Veranstaltung. Nach einem morgens um 3 Uhr 30 eingenommenen Frühstück im offiziellen Racehotel, in welchem auch die gesamten Profiathleten einquartiert waren, ging es mit dem Bus an den Langener Waldsee. Das Wasser hatte gefühlt Badewannentemperatur und mir wurde klar, dass das vom Veranstalter aufgrund der hohen Temperaturen ausgesprochene Neoprenverbot durchaus Sinn machte. Aufgrund der tiefstehenden, gleißenden Sonne war trotz verspiegelter Schwimmbrille teilweise keine Orientierung an bestimmten Fixpunkten möglich, was mir am Ende 200 Extra-Meter einbrachte. Nach dem Schwimmen, welches ich in 01:34:07 bewältigte, freute ich mich auf die anschließende Aufholjagd. Aufgrund der angekündigten Hitze entschied ich mich bereits in den Tagen zuvor für eine eher defensive Herangehensweise. Ich konzentrierte mich von Anfang an auf meine für den Wettkamptag zurechtgelegte Kühl- und Verpflegungsstrategie. Regelmäßig schüttete ich mir Wasser über Kopf und Beine, so dass sich die allmählich einstellende Hitze sehr gut ertragen ließ. Um den Mineralienverlust auszugleichen, nahm ich in regelmäßigen Abständen Salzkapseln ein. Während der gesamten Radstrecke konnte ich meine anvisierte Wattzahl gut treten und war fast ein wenig widerwillig, nach 185 km und 5 Stunden 36 Minuten in die Gluthitze auf der Laufstrecke wechseln zu müssen. Nach ausgiebigem Auftragen von Sonnencreme in der Wechselzone ging ich mit einem noch recht frischen Gefühl auf die Laufstrecke. Der Veranstalter hatte alles dafür unternommen, dass die Ironman-Aspiranten ihren „longest day“ trotz sportlerfeindlichen Bedingungen einigermaßen gut überstehen. Ich nutzte jede Gelegenheit, meinen Körper unter den an den Verpflegungsstationen platzierten Duschen kurz abzukühlen. Bis Kilometer 30 konnte ich meine Pace relativ gut aufrecht halten, wobei die ca. 20 Duschpausen natürlich Zeit kosteten. Ab km 34 wurde es kreislaufmäßig zunehmend härter und ich musste mein Tempo noch etwas mehr drosseln. Auf den letzten 2 km blickte ich ständig auf meine GPS-Uhr und freute mich über jede 100 Meter, die ich hinter mich gebracht hatte. Als ich nach einem Marathon in 3 Stunden 47 Minuten endlich auf den Römer einbiegen konnte, war die Freude riesengroß. Nach 11 Stunden und 8 Minuten hatte auch diese Hitzeschlacht ein Ende und ich war heilfroh, dass mein Körper diese Strapazen so gut wegsteckte. Im aus 241 Frauen bestehenden Starterfeld nahm ich am Ende Platz 23 ein, womit ich absolut zufrieden bin. Eine Woche später bin ich nun schon wieder für den Ironman Frankfurt im nächsten Jahr registriert und hoffe bereits jetzt auf „nur“ 30 Grad am Wettkampftag."

Markus Berger – „Statement“

„Nach meinen bisherigen Erfahrungen aus Nizza und Kona dachte ich eigentlich, dass mich Hitzerennen nicht mehr schocken können, aber der Wettkampf in Frankfurt hat mir ganz klar meine Grenzen aufgezeigt. Mit einer Zielzeit von 12:04:48 Stunden bin ich beim Ironman Frankfurt auch deutlich unter meiner, Anfang des Jahres, angepeilten Zielzeit von SUB10 zurückgeblieben. Aber die Temperaturen von fast 40 Grad forderten nicht nur bei mir ihren Tribut. Von über 3000 gemeldeten Startern schafften es an diesem Tag nur 2065 Teilnehmer innerhalb des Zeitlimits ins Ziel. Und trotz der eigentlich „enttäuschenden“ Zeit, war es auch bei meinem siebten Finish in Frankfurt wieder mal ein Gänsehaut-Erlebnis am Frankfurter Römer über den roten Teppich ins Ziel zu laufen. Neben den extrem hohen Temperaturen machte auch das Neoprenverbot auf der Schwimmstrecke und die um 5 km verlängerte Radstrecke, den diesjährigen Wettkampf zu einer extremen Herausforderung. Schwimmen ist schon immer meine schwächste Disziplin und da ich auch nicht wirklich dafür trainiert habe, kann ich mit der Zeit von 1:22h ohne Neo noch ganz gut zufrieden sein. Bis auf die langen Passagen, die direkt in die aufgehende Sonne geschwommen werden mussten, lief die erste Teildisziplin recht entspannt. Am Rad habe ich dann sofort einen guten Rhythmus gefunden. Gefühlt habe ich in dieser Disziplin rund 1.000 Teilnehmer(innen) überholt, was dann im Endeffekt bei einem 35er Schnitt zum 199. Platz beim Radsplit reichte. Und das Beste war, dass ich mich bis zum Wechsel in die Laufschuhe auch noch richtig fit gefühlt habe. „1:22 Swim + 5:18 Rad = 6h40min – wenn du jetzt noch den Marathon in 4 Stunden läufst ist das für die bescheidene Vorbereitung und die extremen Bedingungen doch eine prima Zeit.“ Diese Gedankenspiele hielten genau 1.000 Laufmeter. Danach musste ich erstmal aufs Dixi abbiegen und mit dem Toilettengang war der Stecker irgendwie gezogen. Danach ging einfach gar nichts mehr und die Marathonstrecke wurde zur Wanderpartie. Aus den geplanten 4 Stunden sind extrem lange 5 Stunden und 12 Minuten auf der Laufstrecke in der Hitze am Main geworden. Und trotzdem war's wieder mal genial und die nächsten Wettkampfziele sind inzwischen auch schon beschlossen: 2020 geht’s im März zum Ironman in Südafrika.“

Sebastian Hamm – „Statement“

"Nachdem ich bisher "nur" auf der Mitteldistanz unterwegs war, beschloss ich letzten Sommer, den Schritt auf die Langdistanz zu wagen. Da es mich berufs- und ausbildungsbedingt ohnehin nach Frankfurt verschlug, bot sich der Ironman Frankfurt hier optimal an. Die Vorbereitung auf das Rennen gestaltete sich - zugegebenermaßen - suboptimal. So musste ich die Erfahrung machen, dass sich das Training gar nicht so ohne Weiteres in den Arbeitsalltag (zu dem auch das ein oder andere Feierabendbier gehört) integrieren lässt, wo ich doch bisher als Student dies ohne Probleme unterbekam. Dementsprechend stand ich mit gemischten Gefühlen am Morgen des 30. Juni 2019 in meinem Trisuit mit Badekappe und Schwimmbrille am Langener Waldsee. Ich fühlte mich fit und hatte richtig Bock auf das Rennen! Andererseits wusste ich nicht, ob ich ausreichend trainiert hatte und wie mein Körper bei derartigen Temperaturen und derartiger Belastung reagiert. Insofern war die "Taktik" klar: Das Ganze eher ruhig angehen, Hauptsache finishen (wollte ich mich doch unbedingt endlich auch in der Riege der Ironmen wissen) und Spaß haben! Die Stimmung kurz vor dem Schwimmstart schlug meine Bedenken in den Wind und es ging ab auf die Schwimmstrecke, die ich nach 01:12 h hinter mir ließ. Nach zu langem Wechsel mit Dixipause ging es ab auf die 185 km lange Radstrecke. Die erste Runde konnte ich noch mit einem Split von knapp 34 km/h absolvieren. Auf der zweiten Runde machte sich dann die Hitze deutlich bemerkbar: der Asphalt war aufgeheizt und es schien, als würde man gegen einen Föhn anfahren. Ich rief mir ins Bewusstsein: nicht überpacen, sondern finishen! Insgesamt stieg ich somit nach 06:03 h vom Rad ab und begab mich auf die Laufstrecke. Ich war selbst überrascht, wie gut sich meine Beine anfühlten, so dass ich den Halbmarathon ohne Probleme laufen konnte. Als ich etliche hitztebedingte Ausfälle bei anderen Athleten sah, die sich schlicht übergaben oder von Hilfskräften abtransportiert wurden und die Hitze vor allem auf der südlichen Mainseite extrem war, erinnerte ich mich auch hier wieder an mein Credo: Nicht überzocken, sondern finishen! Daher kühlte ich mich so gut es ging, nahm ausreichend Flüssigkeit zu mir und lief den Marathon mit einer Gesamtzeit von 04:28 h zu Ende, wobei ich auf den letzten Kilometern nochmal richtig Gas gab und die Stimmung beim Einlauf auf den Römer genoss, ehe es dann nach 12:01:01 h kein Halten mehr gab und ich jubelnd zu dem Satz "You are an Ironman" ins Ziel einlief! Rückblickend war es für mich (in sportlicher Hinsicht) die beste Erfahrung überhaupt, so dass ich jedem nur dazu raten kann, den Schritt auf die Langdistanz zu wagen - auch, wenn im Vorfeld nicht alles optimal läuft und einen Bedenken plagen! Meine Renntaktik hat sich ausgezahlt und ich habe meine Ziele (finishen, Spaß haben, die tolle Stimmung genießen) definitiv erreicht. Gleichzeitig war es auch gut zu sehen, an welchen Schrauben ich noch drehen muss und wie weit ich gehen kann. Daher freue ich mich schon jetzt auf den Ironman Frankfurt 2020!"