Am 27.01.2017 fand der 11. Hallen-Ultra-Marathon in Senftenberg statt. Hier Frank Burgers Erlebnisbericht.

Rüdiger und Frank Burger beim 11. Hallen-Marathon in Senftenberg

Als Premiere fand erstmals ein Indoor-100-km-Lauf statt, was Rüdiger und Frank Burger vom Team Icehouse zum Anlass nahmen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen. Im Vorfeld dieser Veranstaltung war es für uns unvorstellbar, so eine Distanz auf einer Tartanbahn (400 Runden à 250 m) zu laufen. Gedanken, welches Tempo und welche Endzeit wir anpeilten, standen bei uns im Vordergrund. Rüdiger und Ich waren trotzdem optimistisch, da wir am Wochenende zuvor den Marathon in Plzeň als Test für Senftenberg liefen und dieser im Ergebnis sehr gut ausfiel.

Pünktlich um 11:00 Uhr fanden sich zum Start 31 Männer und 3 Frauen ein, nach dem Startschuss begann dann die Hatz auf die 400 Runden. Ein Rundenlänge war 250 m, die an den Stirnseiten mit einer Steilwandkurve abgerundet wurde. Vorgabe für uns war, dass wir nicht länger als 85 bis 90 Sekunden pro Runde benötigen, was einem Tempo von 10,5 bis 11 km/h entsprach. Anfangs waren wir etwas zu schnell unterwegs, nach ca. 2 Stunden fanden wir aber unseren Rhythmus und auch das richtige Tempo. Nach 04:30 Std. bekam Rüdiger Probleme mit der Atmung, wahrscheinlich hat er sich über die Woche eine Erkältung eingefangen, die sich während des Rennens verstärkte und ihn zwang, nach 188 Runden bzw. 47 gelaufenen Kilometern das Rennen vorzeitig zu beenden. Das gleiche ereilte unseren Mitstreiter Sven Fischer, er musste aufgrund von Trainingsrückstand auch nach 240 Runden, entspricht 60 Kilometer vorzeitig das Rennen beenden.

Nachdem Rüdiger sich umgezogen hatte und nun als Zuschauer das Renngeschehen weiterhin beobachtete, leistete er nicht nur für mich gute Support-Dienste, sei es mit warmer Suppe aus den Plastikbecher oder anderen Leckereien von unseren Verpflegungstisch, sondern er checkte auch schon gleich mal die Podest-Plätze in den einzelnen Altersklassen. Rüdiger spürte schon bald, dass heute ein großes Ding laufen kann. Er hielt die Informationen über mögliche Deutsche Altersklassen-Rekorde bewusst noch zurück, so dass sich Läufer, die momentan auf Rekordkurs liefen, von solchen Gedankenspielchen nicht abgelenkt wurden.

Nach 05:30 Std. lag ich auf Platz 2 in der Altersklasse 55. Der Führende Konrad Vogl hat zu diesem Zeitpunkt 3 Kilometer Vorsprung. Mein Versuch, den Abstand nach vorne zu verkürzen, um eventuell das Rennen am Ende noch offen zu gestalten, musste ich spätestens nach etwas mehr als 7 Stunden als gescheitert ansehen, da ich selbst in ein kleines Tief hinein lief. Ich signalisierte dem Führenden Konrad Vogl, dass ich keine Anstalten mehr unternehmen werde, ihm den Platz an der Sonne streitig zu machen. Ich konzentrierte mich nur noch auf das Finishen der 100 km.

In der Zwischenzeit wurde es ernst auf den vorderen Plätzen. Nachdem Rüdiger den Hallensprecher darüber informierte, dass etliche Läufer und zu diesem Zeitpunkt noch eine Läuferin auf Rekordkurs in den jeweiligen Altersklassen unterwegs waren, erreichte die Veranstaltung eine Eigendynamik. Untermalt vom Wunschtitel „Hey, wir wollen die Eisbären sehen“, wurde Benjamin Brade von der Laufgemeinschaft der kleine Eisbär Berlin auf die letzten Runden geschickt. Nach einer neuen Rekordzeit von 07:56:24 Std. blieb die Uhr stehen, neben den Gesamtsieg wurde auch noch eine neue Bestmarke in der Altersklasse 35 aufgestellt. Im Zielbereich stoppten etliche Mitläufer Ihr Rennen für kurze Zeit, um Benjamin Brade zu dieser famosen Leistung zu gratulieren.

Für Jens Vieler, dem Zweitplatzierten, wurde es am Ende richtig knapp. Erst auf die letzten Runden machte dieser sprichwörtlich den Sack zu und überquerte auch in neuer Rekordzeit in der Altersklasse 50 von 08:17:22 Std. die Ziellinie. Der Österreicher Didi Kortner von der SK Vöest komplettierte das Podest und belegte in der Zeit von 08:42:52 Std. den 3. Platz.

Weitere deutsche Rekorde mit 09:24:37 Std. erzielte der für die Exekutive Bautzen startende Marco Scholz in der Altersklasse 40 sowie Konrad Vogl mit 09:34:06 Std. in der Altersklasse 50 und in der Altersklasse 60 Karl Rohwedder in 11:29:10 Std.

Bei den Frauen siegte Ricarda Bethke von der WSG 81 Königswusterhausen auch in neuer Rekordzeit von 10:01:09 Std.

Ab Stunde 8 lief es bei mir wieder richtig rund - wie man in Läuferkreisen sagt - ich bekam die zweite Luft und spulte eine Runde nach der anderen ab und beendete das Rennen in 09:58:51 Std. als 11. In der Gesamtwertung und 2. in der Altersklasse 55. Roland Krauss beendete das Rennen nach 10:57:58 Std. und belegte den 3. Platz in der Altersklasse 55.

Respekt muss man Kay Giese zollen, dieser drehte einsam seine Runden, als Letzter lief dieser nach 13 Stunden und 6 Minuten durchs Ziel.

Mein Fazit für das Rennen und die Veranstaltung: Einfach nur der Hammer! Auf der Internetseite des Veranstalters wurde schon jetzt mitgeteilt, dass die Anmeldung für die lange Strecke 2018 bereits möglich ist. Das schönste an solchen Veranstaltungen ist: Man trifft immer wieder die gleichen Täter - einmal Ultra, immer Ultra.