Am Samstag, 27.04.2019, nahmen die beiden Team-Icehouse-Ultraläufer Linde und Karsten Sürich bei der 40. Harzquerung teil. Karsten Sürich berichtet.

Linde und Karsten Sürich im Ziel in Nordhausen bei der 40. Harzquerung

Anreise am Vortag ins wunderschöne Wernigerode

Wir reisten am Vortag an, um uns den wunderschönen Startort Wernigerode anzuschauen, die Startunterlagen abzuholen und um uns mental auf unseren zweiten Ultralauf (nach dem Supermarathon 2018 am Rennsteig) vorzubereiten. Dabei machten wir es uns in einer Ferienwohnung zentral in Wernigerode gemütlich.

Start um 08:30 Uhr... und immer bergauf

Am Samstag Morgen machten wir uns auf den gut 1 km langen Weg von der Ferienwohnung zum Start. Es war noch recht kalt, aber bis zum Start um 08:30 Uhr erreichte die Quecksilbersäule schon 14°C. Die Startbeutelabgabe erfolgte unkonventionell durch Hinlegen der Startbeutel in ein Haltestellenhäuschen, entweder nach links (Benneckenstein) oder nach rechts (Nordhausen). Wir legten unsere Beutel nach rechts, da wir uns für den langen Lauf nach Nordhausen (offiziell 51 km) angemeldet hatten. Neben der langen Distanz standen auch noch zwei kürzere Distanzen zur Auswahl: 25 km (1. Hälfte von Wernigerode nach Benneckenstein) und 28 km (2. Hälfte von Benneckenstein nach Nordhausen). Alle Strecken konnten auch (mit früherer Startzeit) gewandert werden, dann jedoch ohne Zeitnahme.

Traumhafte Landschaft, aber technisch anspruchsvoll

Mit uns gingen insgesamt ca. 800 Läufer(innen) an den Start, um den Harz von Norden nach Süden zu überqueren. Um es gleich vorweg zu nehmen: Landschaftlich und technisch hat uns diese Harzquerung sehr beeindruckt! Es ist zwar nicht so ein riesiges Event wie zum Beispiel der Rennsteiglauf, aber gerade diese Ruhe beim Laufen und diese Ursprünglichkeit ist vermutlich genau das, was diesen Lauf auszeichnet und wofür er so geschätzt wird.

Unsere Strategie: Wander-Jogging

Nach dem Start (am Ortsrand von Wernigerode) ging es sofort in den Wald hinein und 4 km ununterbrochen bergauf. Unsere Taktik war dabei relativ simpel: Wir sind an den steilen Stücken immer gegangen und bei den kleineren Anstiegen, flach und bergab weitestgehend gelaufen. Uns ging es nicht um Schnelligkeit, sondern ums Ankommen und ums Genießen. Aus diesem Grund habe ich auch wieder eine Art Live-Dokumentation gefilmt, um die Strecke und die Eindrücke festzuhalten.

Viel Natur, wenig Straßen, ein paar Orte

Bis Kilometer 30 verlief die Strecke eigentlich immer in einem Korridor von + / - 100 Höhenmetern auf teilweise sehr schwierigem Terrain. Der Boden war vom Regen in der Nacht zuvor an manchen Stellen matschig und es mussten auch sehr viele umgestürzte Bäume umlaufen werden. Im Vergleich dazu wirkt der klassische Rennsteiglauf geradezu wie eine Autobahn. Bei Kilometer 5 erreichten wir die Zillierbachtalsperre, über deren Staumauer wir liefen. Sehr schöne Bilder, die uns immer wieder motivierten, weiterzulaufen. Wenige Male mussten Autostraßen überquert werden, aber die meiste Zeit waren wir im Wald und in der Natur unterwegs. Richtige Orte durchliefen wir erst nach 23 km (Trautenstein), nach knapp 30 km (Sophienhof) und nach gut 42 km (Neustadt). Die nächste Stadt war dann Nordhausen, welche das Ziel markierte. Nach 30 km ging es ein langes Stück (4,5 km und 220 Hm) bergab, um danach wieder 4 km und 300 Hm bergauf zu laufen, wo wir bei Kilometer 38 auf dem Poppenberg den höchsten Punkt des Laufs erreichten.

Aussichtsturm am höchsten Punkt

Hier war auch eine Verpflegungsstation, an der auch ein schöner Aussichtsturm stand. Als mir andere Läufer von der schönen Aussicht auf dem Aussichtsturm berichteten, wollte ich dies unbedingt überprüfen und so bin ich bis auf die mittlere Aussichtsplattform die Treppen hoch gestiegen und habe ein paar Aufnahmen gemacht. Ach ja: Es stimmt, die Aussicht ist wirklich toll, man kann von da oben den Wurmberg (höchster Berg des Westharzes) sehen und auch den Brocken (höchster Berg (1.141 m) des Harzes).

Noch 12 km und 3 Berge

Nun war das Schlimmste geschafft und es waren nur noch 12 km und drei kleinere Berge zu überwinden, dabei ging es langsam aus dem Harz heraus und somit auch wieder 400 Hm bergab. In Neustadt kam noch einmal eine Verpflegungsstation und die letzten 8 km kündigten sich an. Die drei kleinen Berge auf dieser Restdistanz waren dann aber nach ca. 6 Stunden dann noch mal eine kleinere Herausforderung. Nach gut 47 km hatten wir den Heidelberg und somit den letzten Berg überwunden und es ging nur noch bergab.

Linde stürzt kurz vorm Ziel

Knapp 2 km vorm Ziel kam noch mal ein wenig Dramatik in den Wettkampf: Linde ist auf einer Wiese an einem Grenzstein hängengeblieben und auf die Seite (und ihren eigenen Arm) gestürzt. Aufgesprungen wie ein Steh-auf-Männchen ließ Linde sich nicht davon abhalten, mit einer ansehnlichen Geschwindigkeit und einem Lächeln im Gesicht den Nordhausener Sportplatz nach gut 50 km (offiziell: 51 km) zu erreichen. Hand in Hand und überglücklich, unseren zweiten Ultra gefinisht zu haben, überquerten wir dort die Ziellinie nach gut 7 Stunden (Anmerkung: Allein die Aussichtsturm-Besteigung hat locker 5 Minuten gekostet). Wie eingangs erwähnt: Die Zeit spielte für uns keine Rolle, wenngleich wir dennoch nicht mit einer solchen Zeit gerechnet hatten. Die Finisher-Medaillen nahmen wir stolz entgegen. Erst da merkte Linde, wie stark ihre Schmerzen im Rippenbereich sind. Es kamen auch noch Kreislaufprobleme hinzu. Nach dem Rücktransport (Bus-Shuttle) von Nordhausen zurück nach Wernigerode ließ sich Linde sicherheitshalber in der Harzklinik untersuchen. Es stellte sich eine Rippenprellung heraus und eine angebrochene Rippe.

Fazit: Toller Ultratrail

Fazit: Von der Harzquerung hat Linde jetzt noch einige Wochen was davon, was die Rippenprellung angeht. Der Lauf, die Strecke und die Veranstaltung waren prima, wir vergeben einen Daumen hoch! Wer einfach mal einen tollen, ruhigen Ultratrail laufen möchte, der ist bei der Harzquerung sehr gut aufgehoben.