Katja Stöcker war beim IRONMAN in Hawaii dabei. Hier ihr "Erlebnis-Bericht".

Katja Stöcker im Ziel beim IRONMAN Hawaii 2019

Nachdem ich im August diesen Jahres beim Ironman Kalmar/ Schweden eines der heißbegehrten Tickets für die Ironman-Weltmeisterschaften gelöst hatte, startete ich am 01.10. mit dem Flugzeug in Richtung Kailua-Kona/ Hawaii. Somit blieben mir vor Ort noch 10 Tage, um mich an die feucht-warmen, klimatischen Verhältnisse zu gewöhnen und den Jetlag hinter mich zu bringen. Jeden Morgen um 7 Uhr fand ich mich wie auch unzählige der besten Triathleten der Welt am Dig Me Beach ein, um auf der Original-Schwimmstrecke zu trainieren und zum Coffeeboat zu schwimmen: Dabei handelt es sich um einen ca. 400 m vor der Küste Kona´s ankernden Katamaran, von welchem aus kostenloser Starbucks-Kaffee an die herangeschwommenen Athleten verteilt wird. Ansonsten absolvierte ich einige kleinere Trainingsläufe auf der legendären Palani Road und unternahm zudem zwei Radausfahrten auf der Wettkampfstrecke.

Am Wettkampftag herrschte anders als in den Tagen zuvor sehr starker Wellengang. Dieser war vor allem auf der ersten Hälfte bis zur Wendeboje bei km 1,9 zu spüren und erzeugte bei mir das Gefühl, Zick-Zack zu schwimmen. Allerdings scheine ich durchaus seefest zu sein, da sich auch angesichts großer Wellen weder Übelkeit noch Kopfschmerzen bei mir einstellten. Sehr störend war das Gedränge im Wasser, bei welchem unbeabsichtigte Schläge und Tritte anderer Teilnehmer nicht zu vermeiden waren. Nach ca. 2 Kilometern traf mich eine Athletin mit ihrem Arm im Gesicht, so dass ich fast meine Schwimmbrille verlor. Nach 1 Std. 24 Min. und 3,86 Kilometern stieg ich am Kailua Pier aus dem Wasser und es ging erst einmal ab unter die Dusche, um das Salzwasser abzuspülen.

Auf der Radstrecke, die nach 12 km im Stadtzentrum auf dem Queen-K Highway entlang der Lavafelder bis zum kleinen Ort Hawi verläuft und auf selber Strecke wieder zurück nach Kona führt, zeigten sich die berühmt-berüchtigten Mumuku-Winde sehr deutlich: Es war eine große Kraftanstrengung, mein mit Hochprofil-Aero-Laufrädern ausgestattetes Rad unter Kontrolle zu behalten. Die heißen Temperaturen und die unzähligen, lang gestreckten Hügel verlangten den Athleten alle Kräfte ab. Mein selbst gesetztes Ziel, eine konstant hohe Wattleistung zu treten, konnte ich wie geplant verwirklichen und bewältigte die 180,2 km absolut zufrieden nach 5 Std. 38 Min. mit einem Tempodurchschnitt von 32,1 km/h.

Auf der Laufstrecke hatte ich anfangs sehr starke Magenschmerzen. In der Hoffnung auf Besserung meiner Beschwerden versuchte ich trotzdem, mit meiner angestrebten Pace loszulaufen und mich mittels Energygels weiterhin mit Kohlenhydraten zu versorgen. Dies gelang mir glücklicherweise ganz gut und als ich nach 12 Kilometern auf den Queen-K Highway einbog, hatten sich alle Schmerzen verflüchtigt. Hier wartete allerdings bereits der nächste mentale Prüfstein auf die potentiellen Ironmänner: Man konnte kilometerweit schauen und bei über dreißig Grad staute sich die heiße Luft auf dem Asphalt. An den Verpflegungspunkten, welche alle 1,8 km aufgebaut waren, versorgte ich mich stets mit einer großen Menge an Eiswürfeln, welche ich unter das Laufkäppi und in den Triathlonanzug kippte und dazu noch in die Hände nahm. Außerdem achtete ich darauf, stets genügend Salz zu mir zu nehmen, um den Mineralienverlust zu kompensieren. Im Natural Energy Lab, in welchem man von km 25 bis 29 läuft, ist es sehr einsam und an den Gesichtern der anderen Athleten ließ sich die Härte des Rennens förmlich ablesen. Als ich die Etappe des Natural Energy Labs absolviert hatte, breitete sich in meinem Inneren ein riesiges Glücksgefühl aus: Ich war fest davon überzeugt, in passabler Verfassung ins Ziel einlaufen zu können und damit meinen Traum zu verwirklichen. Gepusht von dieser Erkenntnis und ohne jegliche muskuläre und kreislauftechnische Probleme spulte ich die letzten Kilometer des Marathons ab. Ab Kilometer 38 breitete sich auf meinem Gesicht ein strahlendes Lächeln aus und ich klatschte unzählige Hände ab. Kurz vor der Finishline auf dem Ali´i Drive wurde ich nach einem in 3 Std. 43 Min. gelaufenen Marathons vom Sprecher Mike Reilly mit den Worten begrüßt „Katja, you are an IRONMAN!“. Diese fünf magischen Worte hatte ich zwar schon des Öfteren in meinem Leben gehört, so gut wie an diesem Tag hatten sie allerdings noch nie geklungen.

Am Ende stand eine Gesamtzeit von 10 Std. 57 Min. auf der Uhr. Insgesamt bedeutete dies den 28. Platz von 79 Frauen in der Altersklasse 35-39 Jahre und den 149. Gesamtplatz aller 611 gestarteten Altersklassen-Athletinnen, worüber ich sehr glücklich bin. Ich bin überaus dankbar, dass ich bereits in meinem zweiten Jahr auf der Triathlon-Langdistanz ein Teil dieses Mythos sein durfte.