Team Icehouse Sportler Frank Wiegand wollte nach ca. 30 Jahren im Marathongeschäft, 10 Jahren Ultra Triathlon und unzähligen Ultraläufen mal was neues ausprobieren. Einen Backyard Ultra. Was ist das? Lest den Bericht zum Backyard Ultra in Sachsen.

Frank Wiegand beim 1. LAUFHAUS BACKYARD ULTRA 2021 in Oderwitz.

Der Veranstalter des berühmten Barkley 100 Meilen Ultralaufs in Tennesse (USA) , Lazarus Lake, kam vor einigen Jahren auf die Idee ein 100 Meilen Rennen auf 24 Stunden zu verteilen in dem man jede Stunde erneut auf eine 6,706 Km Runde startet und alle die das nicht in dieser Zeit schaffen scheiden aus so lange bis nur noch einer übrig bleibt, der sogenannte "Last Man standing". Das kann auch schon mal deutlich länger als 24 h dauern, denn der Weltrekord liegt sein kurzem bei unglaublichen 81 Stunden (543,18 Km).

Zu schnell = muskulärer Gau und zu langsam = keine Erholungszeit

Da das Tempo nur bei knapp 9 Minuten pro Kilometer liegt kann man das fast wandern, aber der Trick liegt darin ein gutes Tempo zu finden das es einem erlaubt zu regenerieren, zu trinken, essen und wenn nötig auch in der Nacht einige Minuten zu schlafen was das Schwierigste ist. Zu schnell bedeutet den muskulären Gau, zu langsam lässt keine Erholungszeit.

Wenig Events in Deutschland

In Deutschland gibt es aktuell noch wenige Veranstaltungen die sich in den letzten 3 Jahren etabliert haben. Der Lauf in Oderwitz ist neu und der Veranstalter Mike Sethmacher auch.

Anmeldung im April

Ich hatte mich im April entschlossen dort teilzunehmen und mich speziell dafür vorzubereiten. 12 Wochen Training auf kleinen offroad-Runden mit 100 Höhenmetern rund um den Ort. Meine Nachbarn halten mich nun endgültig für bekloppt. Viele alte Freunde und gute Ultraläufer habe ich vor dem Start wieder getroffen. Dies garantierte ein heißes Rennen, unabhängig von den schon angesagten Temperaturen Richtung 30°C. Gestartet bin ich noch in Langarmshirt und Trailschuhen da es am Abend zuvor stark geregnet hatte und die sehr trailige Strecke aufgeweicht war. 1 Kilometer führte über einen nasse löchrigen Wiesen-Feldweg, ca. 400m führten über einen gefluteten Waldweg, der aber vom Veranstalter so gut als möglich mit Rinde und Sägespänen abgestreut wurde, der Rest bestand aus steinigen Feldwegen und Waldwegen. Also kein einfaches Laufen.

Spannende Erfahrungen wegen Unerfahrenheit bei diesem Format

Auf Grund meiner Unerfahrenheit auf diesem Format hielt ich mich erst mal 4 Stunden lang am Ende des Feldes auf und versuchte Kräfte zu sparen indem ich so viel wie möglich gewandert bin, vor allem bergan. Zu dem Zeitpunkt gut weil ich noch nicht groß pausieren wollte. Ab Runde 5 als es zu hieß wurde habe ich mich dann mal nach vorne begeben um ein paar Runden mit Marcel, René und Stefan zu laufen welche schon von Anfang an das Tempo bestimmt hatten und immer so um die 37-38 Minuten liefen.

Danach hab ich mich auf Grund der immer grösser werdenden Wärme wieder etwas weiter hinten eingeordnet und lief meine Runden in knapp 45 Minuten so das ich ausreichend Zeit zum Abkühlen, Essen und Trinken im Schatten unseres Versorgungszeltes vor dem Wohnmobil hatte wo Anna immer schon alles vorbereitet hatte so das ich keine Sekunde an Erholung verloren habe. Der Support ist der halbe Weg zum Erfolg.

Alles lief perfekt über den Tag. Alle 3 Runden Socken und Schuhe gewechselt und zwischenzeitlich auch die Klamotten auf extra dünn und kurz. Am Abend dann wieder zurück auf lang bevor es in die Dunkelheit ging und angenehm kühl wurde.

24 Uhr Nachts

Das funktionierte noch ganz gut bis 24 Uhr Nachts, auch wenn das Laufen auf der löchrigen Piste mit Stirnlampe eine Katastrophe war. Dann setzten wie schon häufig Magenprobleme ein weil mein Biorhythmus das Laufen bei Nacht einfach nicht gewohnt ist. Die vielen Elektrolyte und Gels tun da ein übriges. Trotz reichlich Salzaufnahme bekam ich wieder Brechreiz und konnte keinerlei Nahrung mehr zu mir nehmen. Anna hat mir dann Tee und Zwieback gemacht, aber ich merkte trotzdem wie mein Tank mehr und mehr Richtung Reserve lief. Hinzu kam eine bleierne Müdigkeit die mir die Beine extrem schwer machte und das konzentrierte Laufen auf dieser anspruchsvollen Strecke zu einer Herausforderung machte.

2 Uhr - 111 Kilometer

Um 2 Uhr war ich eigentlich schon ziemlich fertig und 111 Km gelaufen. Anna versuchte es noch mal mit eine vegetarischen Brühe, die auch drin blieb. Ich raffte mich trotzdem noch mal auf und versuchte mit Minimalaufwand und viel Wandern noch rechtzeitig über die Runde zu kommen. Nach über 53 Minuten war ich entkräftet wieder im Ziel und mir war kotzübel.

"Rien ne vas plus" nach 17 Stunden - 118 Kilometer

"Rien ne vas plus" signalisierte ich Anna die netterweise ausgehalten hatte obwohl sie selbst totmüde war. 17 Stunden und 118 Km waren gelaufen. Das Abenteuer Backyard nahm hier ein jähes Ende auch wenn ich gehofft hatte mich noch in den Sonnenaufgang zu retten wo die Kräfte noch mal neu erwachen sollten.

Leider blieb das ein frommer Wunsch und auch mein Minimalziel die 100 Meilen zu laufen die ich schon so oft am Stück durchgelaufen war. 30 Runden wären Bestweite gewesen und mein eigentliches Wunschziel. Aber viele der anwesenden 24 Stunden Spezialisten werden bestätigen das es auf diesem Format nicht vorberechenbar ist wie weit man am Ende kommt auch wenn man gut trainiert ist wie ich und viel Erfahrung mit einbringt.

Last Man Standing Marcel Leutze läuft 231 Kilometer

Der am Ende Zweitplatzierte lief 224 Kilometer und war vorher noch nie länger als 85 Kilometer gelaufen. Bei ihm hat offenbar alles gepasst. Der später Sieger und Last Man Standing Marcel Leutze lief 231 Km in 33 Stunden obwohl er noch am Wochenende zuvor bei der Deutschen Meisterschaft 24 Stunden am Start war. Beachtlich. Er ist zwar mehrfacher Deutscher Meister über 24 Stunden, hatte aber mit Rene´ Strosny trotzdem lange einen gleichwertigen Konkurrenten der ihn zu dieser Leistung motivierte. All Top 3 sind über 30 Runden gelaufen.

Platz 7

Ich selbst wurde Siebter und bin damit nicht so richtig glücklich, da meine Beine sicher mehr her gegeben hätten wie ich einen Tag später konstatieren kann. Trainiert hatte ich auf jeden Fall genug. Vielleicht probiere ich es nächstes Jahr noch mal auf einer etwas einfacheren Strecke wo ich mein Potenzial besser ausschöpfen kann.

Vielen Dank an meine liebe Frau Anna Wiegand, die mich mal wieder aufopferungsvoll bis zuletzt unterstützt hat und immer wieder motiviert weiter zu machen.

Stay tuned, euer Frank.

P.S. Zahlen und Fakten

Da unsere Besucher der Vereinshomepage und Leser der Berichte auch immer Zahlen und Fakten zu unseren Ultraläufern interessieren haben wir bei Frank angefragt. In den 12 Wochen Vorbereitungszeit ist er 1.800 Kilometer gelaufen. Im Schnitt sind das 150 Kilometer je Woche wobei diese von 90-100 Kilometer bis 200 Kilometer variieren. Insgesamt ist Frank in diesem Jahr bereits 3.200 Kilometer gelaufen.