Wie bereits im letzten Jahr starteten die beiden Team-Icehouse-Mitglieder Linde und Karsten Sürich eine einwöchige Fahrradtour. Diesmal ging’s von Rethen / Hannover nach Niebüll mit Ausflügen nach Sylt und Dänemark. Die Tour war somit die Fortsetzung der letztjährigen Tour von Bayreuth nach Hannover, die damals mit 600 km zu Buche schlug.

Linde und Karsten im Wald bei Kiekeberg

770 km mit viel Regen und Wind

Insgesamt waren wir 770 km unterwegs. Das vorläufige übernachtungstechnische Endlager hatten wir nach 580 km und 5 Tagen in Niebüll erreicht, wo wir nochmals dreimal schliefen, um von dort aus noch zwei Ausflüge zu starten, und zwar nach Sylt (Komplettumrundung mit ca. 100 km) und nach Dänemark (Mögeltondern und Tondern). Insgesamt standen vor der Abfahrt mit dem Mietwagen nach sieben Tagen 770 km auf dem Tacho. Leider meinte es der Wettergott nicht so gut mit uns. Fast täglich mussten wir die Regenkleidung auspacken bei recht geringen Temperaturen (10 bis 18°C). An der Küste und auf Sylt kam dann noch der heftige Wind dazu, der uns stellenweise sehr stark ausbremste.

Abwechslungsreiche Landschaften in Norddeutschland

Die Route verlief zunächst von Hannover aus nordwestlich in Richtung Steinhuder Meer. Wir hielten uns am ausgeschilderten Leine-Heide-Radweg, der uns im weiteren Verlauf bis nach Hamburg führte. Die Landschaft war hier durch Felder geprägt. Inmitten einer Pampa, die gefühlt 10 km von einem Unterstand entfernt war, überraschte uns der erste richtig große Regenschauer, in dem sich auch ein wenig Hagel beimischte. Die Weiterfahrt mit nassen und kalten Füßen machte Linde nicht wirklich Spaß. Hinter Schwarmstedt (wo die Leine in die Aller fließt) ging’s über Hodenhagen, Walsrode, Soltau und Schneverdingen in die Lüneburger Heide, die wirklich einzigartige weitläufige Landschaften zu bieten hat. Hier machte uns der sandige Boden in Verbindung mit den schwer bepackten Rädern zu schaffen, zumal es hier auch fast ständig regnete. Ein Abstecher auf den Wilseder Berg (mit über 169,2 m höchste Erhebung in der Lüneburger Heide) bescherte uns dann noch mal herrliche Ausblicke auf die Lüneburger Heide. Auch die schönen Heidedörfer mit Heidschnucken haben uns beeindruckt. Über Buchholz in der Nordheide kamen wir langsam ins Einzugsgebiet von Hamburg. Entgegen unseren Erwartungen gab es hier sehr wohl Berge. Die Harburger Berge vor den Toren Hamburgs sind nicht ohne!

Von Hamburg an der Elbe bis zur Nordsee

In Hamburg holte sich Karsten durch ein unkontrolliertes Bordsteinmanöver hinten einen Plattfuß, der aber (bei Regen) in einem Unterstand repariert werden konnte. Nach einer sehr langen Stadtfahrt durch Hamburg folgten wir dem Nordseeküstenradweg entlang der Elbe, die hinter Brunsbüttel in die Nordsee mündet. Hier ist die Elbe größtenteils schon eingedeicht, so dass wir sehr schnell merkten, welchen Unterschied es ausmacht, vor oder hinter dem Deich zu fahren, wenn man mit Gegenwind oder Seitenwind zu kämpfen hat. Hier verlief die Tour über Elmshorn und Glückstadt nach Brunsbüttel, wo wir den Nordostseekanal mit der kostenlosen Fähre überquerten. Hier machten wir auch erste Erfahrungen mit Schafskötteln, die nicht immer klein, kugelförmig und fest sind, sondern auch mal groß, haufenartig und matschig sein können! Lecker!

Viele Schafe an der Nordseeküste

Ab Brunsbüttel verlief die Tour größtenteils in nördliche Richtung. Zwischenstationen bis Niebüll waren Meldorf, das wunderschöne Büsum (hier muss man unbedingt Pause machen, weil es hier – nach Lindes Meinung - die besten Fischbrötchen Nordfrieslands gibt), Sankt-Peter-Ording, Garding, Husum und Dagebüll. In Sankt-Peter-Ording war es schwierig, eine Unterkunft zu finden, so dass noch weiter bis Garding fahren mussten. Was für ein Glück, denn so lernten wir die wunderschöne Übernachtungsherberge „De Schlopstuv“ kennen, wo man auch in einem Bauwagen, Wohnwagen oder Gartenhäuschen übernachten kann. Leider mussten wir am nächsten Morgen weiter, sonst hätten wir die nette Atmosphäre bei Anke noch weiter genießen können. Einfach mal www.herberge-garding.de anklicken…

Sehr interessant war die Erfahrung, dass Windschattenfahren auch – vor allem bei Regen -  seine „Schattenseiten“ hat, denn der aufgeweichte Schafskot, der sich auf dem gesamten Radweg befindet, wird einem buchstäblich ins Gesicht geschleudert. Also: Lieber mal Abstand halten oder Gesichtsmaske tragen! Nach fünf Tagen erreichten wir dann Niebüll.

Ausflug nach Sylt

Wenn man im hohen Norden Fahrrad fährt, dann muss man dies auch auf Sylt tun. Von Niebüll aus ging’s mit dem Zug nach Westerland. Leider kann man Sylt nur mit dem Zug erreichen. Von dort aus umrundeten wir die Insel fast komplett. Auf Sylt sind uns viele ältere E-Bike-Fahrer(innen) aufgefallen, die sich mit Gegenwind leichter tun und dann völlig überrascht sind, wenn man sie dann trotzdem überholt (egal bei welchem Wind). Für die E-Biker(innen) wurden sogar schon Ladestationen auf der Insel errichtet.

Zunächst ging’s einen herrlichen Radweg entlang durch die Dünen bis zum Ellenbogen, was den nördlichsten Punkt der größten Nordseeinsel darstellt und somit auch der nördlichste Punkt Deutschlands ist. Von List aus kann man bei schönem Wetter das dänische Festland sehen. Weiter ging‘s über Kampen und Keitum nach Rantum. Danach fuhren wir ca. 12 km bis zur Südspitze Sylts nach Hörnum, was bei 100% Gegenwind eine echte Herausforderung war. Die knapp 20 km Rückweg nach Rantum und weiter zum Bahnhof nach Westerland waren dann allerdings dank des Rückenwindes ein echter Genuss. Mit 35 km/h flogen wir sozusagen über die Insel. Zurück nach Niebüll ging’s wieder mit dem Zug, der Dank eines Streiks der NOB (Nordostseebahn) abenteuerlich überfüllt war.

Ausflug nach Dänemark

Da Niebüll nicht weit weg ist von der deutsch-dänischen Staatsgrenze, führte uns unser letzter Ausflug nach Mögeltondern und Tondern. In Mögeltondern kann man das Schloss Schackenborg bewundern, welches sich im Besitz des dänischen Prinzen Joachim befindet. Ein Abstecher in Tondern rundete das Bild ab. Landschaftlich gehörte diese Region eher zu den unattraktiveren unserer Tour. Zurück ging es über Ruttebüll entlang der Staatsgrenze nach Rodenäs und dann über Klanxbüll nach Niebüll, wo die Fahrräder endlich von ihrem zentimeterdickem Schafskot befreit wurden, bevor sie ins Mietauto verladen wurden.

Regen härtet ab

 Unterm Strich war die gesamte Tour wettertechnisch sehr anstrengend, aber landschaftlich sehenswert. Auf jeden Fall darf man sich niemals auf schönes Wetter verlassen und sollte immer wasserdichte Regenkleidung dabei haben. So gerüstet, kann man viel entdecken in den großen Weiten Norddeutschlands. Auch interessant: Die Autofahrt von Niebüll zurück nach Bayreuth war mit 770 km genauso lang wie die in einer Woche zurück gelegten Fahrradkilometer! Bis zur nächsten großen Tour…