Im Juni 2015 stand für die Team-Icehouse-Sportler Linde und Karsten Sürich wieder eine große Fahrradtour an. Diesmal sollten von Bayreuth aus die Alpen überquert werden. Das Ziel war Grado an der Adria.

Linde und Karsten Sürich am Ziel in Grado an der Adria

Geplante 890 km...

Laut geplantem gpx-Track waren knapp 890 km bis Grado zu bewältigen. Durch Ausflüge, Quartiersuche, Umwege usw. wurden daraus bis zum Ende über 1.000 km. Die Gesamthöhenmeter (bis Grado) liegen so bei ca. 6.400. Es wurden auf der Tour über 150.000 Pedalumdrehungen gemessen. Das Übernachtungs-Endquartier wurde nicht direkt in Grado bezogen, sondern in der Nähe von Aquileia, ca. 16 km von Grado entfernt. Dieses hatten wir bereits vorgebucht, was für die Motivation während der Tour sehr förderlich war. Mit den Wetterverhältnissen konnten wir insgesamt sehr zufrieden sein. Es gab zwar Regenpassagen und Gewitterschauer, aber keine langanhaltenden Regenperioden (wie 2013 bei unserem ersten TransAlp-Versuch). Im Süden wurden wir dann mit Sonnenschein belohnt.

Wie schon auf den vorherigen Touren ist eine gute Planung hinsichtlich Navigation und Heraussuchen von Übernachtungsmöglichkeiten unumgänglich. Die Route orientierte sich fast ausschließlich an offiziellen Radwegen, die entlang von Flüssen verliefen, und an dem relativ neuen "Alpe-Adria-Radweg", der von Salzburg nach Grado führt. Eine GPS-unterstützte Navigation ist insbesondere in Italien sehr zu empfehlen. Zum Beispiel findet man in manchen Regionen Italiens überhaupt keine Wegweiser. Am Sonntag, dem 14.06.2015, konnte die lang geplante Fahrradtour dann endlich beginnen.

14.06.2015 (So): Erste Etappe bis hinter Amberg

Diese Etappe war mit 130 km bewusst lang geplant, da wir aufgrund des Altstadtfestes in Amberg zwecks Übernachtung auf Ensdorf ausweichen wollten. So fuhren wir entsprechend früh los. Bis Pommelsbrunn folgten wir dem Pegnitz-Radweg, um dann auf den 5-Flüsse-Radweg Richtung Amberg abzuzweigen. Die Strecke durch die Fränkische Alb war ein Vorgeschmack auf das, was später folgen sollte. Ab Sulzbach-Rosenberg folgten wir der Vils und nach einer Pause in Amberg ging es weiter bis Ensdorf. Mit 131 km und über 1.000 Höhenmetern war die erste Etappe auch entsprechend anspruchsvoll, zumal wir das Mehrgewicht der vier Packtaschen deutlich spürten.

15.06.2015 (Mo): Zweite Etappe bis hinter Straubing

Wir folgten weiterhin der Vils bis ins wunderschöne Kallmünz, um dann entlang der Naab Regensburg zu erreichen, wo wir auf den Donau-Radweg stießen. Dieser ist in weiten Teilen nicht asphaltiert, so dass wir relativ langsam vorankamen, insbesondere, wenn der Boden nass war. Wir merkten auch, dass es sinnvoll ist, die Regenkleidung, insbesondere die Regen-Überschuhe, sehr früh anzuziehen. Nach 116 km und knapp 400 Höhenmetern erreichten wir Bogen (bei Straubing) nass bis auf die Haut.

16.06.2015 (Di): Dritte Etappe mit Pannen bis Passau

Wir folgten weiterhin dem Donau-Radweg. Der viele Schotter sorgte bei Linde für insgesamt drei "Plattfüße". Da wir feststellten, dass die beiden Mäntel nach zig tausend Kilometern doch schon sehr porös waren, beschlossen wir, diese durch neue, pannensichere Mäntel zu ersetzen. In Vilshofen fanden wir ein kompetentes Fahrradgeschäft, so dass die Tour unbesorgt weiter gehen konnte. Allerdings kostete uns diese Aktion sehr viel Zeit, so dass wir erst am Ende des Tages (statt am frühen Nachmittag) in Passau ankamen. Auf dem Tacho standen weitere 97 km und ca. 200 Höhenmeter.

17.06.2015 (Mi): Am vierten Tag bis Salzburg

Ab Passau folgten wir dem Inn-Radweg: bis Simbach am Inn auf der deutschen Seite, ab Braunau am Inn auf der österreichischen Seite. Der Inn-Radweg hat uns nicht begeistert. Es ist zwar augenscheinlich zunächst recht schön, aber der Weg ist größtenteils geschottert und unendlich lang und stupide. Nach nunmehr ca. 408 km kamen wir in Österreich an. Nach weiteren 13 km verließen wir den Inn-Radweg und folgten der Salzach in einem hügeligen Profil. Unser geplantes Zwischenziel in Oberndorf / Laufen ließen wir links liegen und fuhren 19 km weiter bis Salzburg. Für diese insgesamt längste Etappe notierten wir 145 km und ca. 800 Höhenmeter.

18.06.2015 (Do): Fünfte Etappe bis nach Böckstein

Von der schönen Mozartstadt aus ging es nun in die "richtigen" Berge: Vom idyllischen Salzachtal nach Schwarzach im Pongau bis ins Gasteinertal nach Bad Gastein und weiter nach Böckstein, kurz vor der Tauernschleuse, wo wir auch mit über 1.200 m den höchsten Punkt der gesamten Tour erreichten. Von nun an fuhren wir auf dem "Alpe-Adria-Radweg", dem wir bis nach Grado folgten. Wunderschöne Landschaften und Ausblicke auf die Berge waren der Lohn für die vielen Höhenmeter, die es zu überwinden galt. Diese Etappe war sehr reizvoll, aber auch anstrengend. Neben den vielen und langen Steigungen war auch der Klamm-Tunnel vor Klammstein zu durchfahren. Dieser ist ca. 1,5 km lang und durch den vielen Auto/LKW-Verkehr sehr laut. In Bad Gastein angekommen hatten wir "das Schlimmste" geschafft und wir konnten den wunderschönen Gasteiner Wasserfall bewundern. Nach Auffüllen unserer Energiespeicher (Supermarkt!) und einer Quartiersuche konnten die letzten Höhenmeter nach Böckstein dann schnell abgespult werden. Am Ende des Tages waren es 117 km und wir spürten die ca. 1.900 Höhenmeter.

19.06.2015 (Fr): Am sechsten Tag bis zum Wörthersee

Nach einem kurzen Einrollen bergauf erreichten wir die Tauernschleuse. Hier wurden wir und unsere Räder für zusammen 10 EUR mit dem Zug ca. 11 km durch die Tauern gefahren. Auf der anderen Tauern-Seite in Mallnitz-Obervellach (Kärnten) ging es ordentlich bergab ins Mölltal. Nach 30 km folgten wir ab der Ortschaft Möllbrücke dem Drau-Radweg und erreichten schließlich Spittal und später Villach. Unser Quartier bezogen wir gut 6 km östlich vom Radweg in Wernberg/Gottestal, um von dort aus noch einen Abstecher nach Velden am Wörthersee zu machen. Dieses musste - trotz des beginnenden Regens - unbedingt sein, da der Wörthersee zu Beginn der Planungen eigentlich das Endziel sein sollte...

Obwohl es eine sehr schöne Bergab-Etappe war, verzeichnete der Tacho neben den 121 km auch ca. 1.200 Höhenmeter, von denen ca. 300 auf den 25 km langen Abstecher zum Wörthersee fielen.

20.06.2015 (Sa): Ankunft in Italien am siebten Tag

Zunächst ging es wieder 7 km zurück nach Villach auf den Alpe-Adria-Radweg. Der Weg führte uns entlang der Gail nach Arnoldstein und nach weiteren 6 km über die italienische Grenze. Ca. 767 km von Bayreuth aus nach Italien. Wir waren jetzt schon mächtig stolz! Ab hier ist auch der "Alpe-Adria-Radweg" ausgeschildert. Der Radweg ist größtenteils sehr gut asphaltiert, mit Mittelstreifen versehen und natürlich für Autos gesperrt. Leider gibt es auch längere unbefestigte Abschnitte mit teils abenteuerlichen Wegen. Über Tarvisio ging es nach Camporosso, dem mit ca. 830 m höchsten Punkt dieser Etappe. Die grandiose, abwechslungsreiche Landschaft und der tolle Radweg auf einer alten Bahntrasse machten diese Etappe zum absoluten Highlight der gesamten Tour! Insbesondere die Tunneldurchfahrten ab Pontebba und einige Eisenbahnbrücken brachten Gänsehaut-Feeling! Nach Moggio Udinese und dem wunderschönen Venzone erreichten wir nach 120 km und ca. 700 Höhenmetern (und fünfmal An- und Ausziehen der Regen-Kleidung) Gemona del Friuli, wo wir übernachteten.

21.06.2015 (So): Achte Etappe bis an die Adria nach Grado

Die letzte Etappe führte uns bei recht heißen Temperaturen komplett hinaus aus den Bergen, dennoch waren einige "Kanten" im Höhenprofil versteckt. Über Osoppo, Buja und Tavagnacco ging es nach Udine und von dort aus über die Via Julia Augusta ins wunderschöne Palmanova, welches als "ideale Planstadt" mit sternförmigen Grundriss und einem riesigen, zentralen "Piazza Grande" angelegt wurde. Über Cervignano del Friuli und Aquileia erreichten wir nach 101 km unser gebuchtes Endquartier "Villa Asiola", welches sich ein wenig abseits des Radwegs befand. Die noch ausstehenden 2x 16 km hin und zurück nach Grado machten uns an diesem Nachmittag auch nichts mehr aus, so kurz vorm Ziel...

Noch vor 18 Uhr erreichten wir nach acht Tagen unser Endziel Grado! Die Beweisfotos waren im Kasten! 964 km von Bayreuth ans Mittelmeer, was für eine Tour! Am Ende des Tages blickten wir auf 133 km und ca. 200 Höhenmeter zurück.

22.06.2015 (Mo): Ruhetag

Am Ruhetag fuhren wir ausschließlich im eigenen PKW, den die Firma Transalp-Shuttle.com am Ankunftstag zuverlässig auf den Parkplatz der Villa Asiola abstellte. Es ging nach Aquileia und noch mal nach Grado, um den wunderschönen Zielort genauer unter die Lupe zu nehmen. Zum Schluss fuhren wir noch über Monfalcone und Duino nach Triest, nahe der kroatischen Grenze.

23.06.2015 (Di): Lockeres Ausrollen ohne Plan

Nach dem Ruhetag wollten wir unbedingt noch die 1.000 Kilometer voll machen, so dass wir uns noch mal auf unsere CrossBikes setzten. Die unspektakuläre Tour war eine kleine Runde um unsere Unterkunft herum. Als das Wetter schlechter wurde und ein Gewitter aufzog, sind wir schnellstmöglich zum Quartier zurückgekehrt. Dennoch sind immerhin noch knapp 28 km zusammen gekommen, so dass wir nun 1.008 km im Fahrtenbuch stehen hatten.

Fazit

Eine schöne TransAlp-CrossBike-Tour mit gewaltigen Eindrücken verbunden mit schönen Erinnerungen. Auch für "technische Laien" gut zu schaffen, solange man ausreichend Kondition und Disziplin mitbringt. Fortsetzung folgt...